Totenehrung zu Allerheiligen am 1. November 2010

Auf Einladung der Stiftung „Saazer Heimatmuseum“ wurde am 01. November 2010 zu Allerheiligen zum dritten Mal eine feierliche Totenehrung auf dem St. Antonius Friedhof in Žatec/Saaz abgehalten.

Die Feierlichkeiten begannen um 14:30 Uhr an der eindrucksvoll geschmückten Gedenkstätte. Die angereisten Besucher, darunter die bekannte Buchautorin Erika Storey, geb. Schroll* mit Familie aus London, deutsche und tschechische Freunde und Bekannte aus Saaz, Vertreter der Stadt- und Friedhofsverwaltung, Dolmetscher, Fernsehreporter und Kameramann versammelten sich vor der in 2008 errichteten Grabstätte in der südöstlichen Ecke des neuen Friedhofs, um an die verlorenen Familienmitglieder und Mitbürger in stiller Trauer zu gedenken. Ganz im Sinne der Gründer der Gedenkstätte ist dieser Platz in der südöstlichen Ecke des Friedhofs zu einem Ort der Erinnerung geworden.

Erneut berichtete das tschechische Fernsehen „TV-OK plus Žatec“ mit einer halbstündigen Reportage von der Feier dreimal täglich vom 08. bis 14. November 2010. In einer Rede vor dem großen schwarzen Holzkreuz betonte der Organisator der Gäste, Herr Dr. Gerhard Illing, dass die Gedenkstätte alle Besucher an die schrecklichen Ereignisse des Jahres 1945 erinnern und damit verhindern soll, dass derartiges nicht noch einmal geschieht. Er sagte, es sind immer noch viele Wunden aus der Vergangenheit in unseren Herzen. Aber es war uns ein wichtiges Anliegen, hier an diesem Ort unseren Verlust und unseren Schmerz zum Ausdruck zu bringen, verbunden mit dem Versuch, in gemeinsamen Gesprächen ein friedliches Miteinander und eine Bewältigung der Vergangenheit zu erreichen.

Über die Schicksale der Menschen in Postelberg wurde in den Medien viel berichtet, aber was in der Stadt Saaz selbst zur Nachkriegszeit geschehen ist, wissen nur wenige Augenzeugen. Herr Horst Helmer wurde als Zeitzeuge befragt, ob er dazu etwas sagen könnte. Er erklärte, in diesem Massengrab liegen seine Tante und sein Onkel. Nach dem Einmarsch der Sowjets im Mai 1945 wurde seine Tante tagelang vergewaltigt und sein Onkel misshandelt, beide haben sich die Pulsadern aufgeschnitten und wurden danach in dieses Massengrab geworfen.

Wie bereits im Vorjahr nahm der Saazer Bürgermeister der Stadt Žatec, Herr Erich Knoblauch, an der Veranstaltung teil. Mit wenigen Worten äußerte er seine Verpflichtung zum Danksagen an die Versammelten, die auch trotz ihres hohen Alters nach Žatec angereist sind. Er betonte, die Stadt habe das Glück gehabt, seit 65 Jahren in Frieden leben zu können. Gerade darum dürfe man die grausamen Ereignisse vor 65 Jahren nicht vergessen.

Nach den Angaben der Zeitzeugen befanden sich die Massengräber aus dem Jahre 1945 in diesem Teil des Friedhofes, wo die Gedenkstätte errichtet wurde. Auf die Frage des Reporters, Herrn Michal Karabec, was die Teilnehmer über die tschechisch deutschen Beziehungen denken, antwortete Herr Dr. Illing: „Wir müssen alle aus den Geschehnissen der Vergangenheit lernen und durch eine Förderung der positiven Entwicklungen der Gegenwart zu einer Versöhnung kommen. Nur durch ein friedliches Zusammenleben kann Not, Armut und Elend vermieden werden.“

Zum Ende des Besuches verbrachten die Teilnehmer einige Minuten in stiller Andacht zu Ehren der Verstorbenen.

Im Auftrag der Stiftung Saazer Heimatmuseum
Dr. Gerhard Illing

Groß-Umstadt, 15. November 2010

Nachbemerkungen:
*) Erika Storey, geborene Schroll, geboren 1936 in Saaz, heimatvertrieben in 1946, schrieb das Buch: „A Childhood in Bohemia and the Flight to the West“ (Eine Kindheit in Böhmen und die Flucht in den Westen) in englischer Sprache mit zahlreichen Familienfotos aus Saaz, veröffentlicht in Great Bitain & USA in 2009 by Arna Books.

Der Friedhof in unserer alten Heimatstadt ist in einem sehr gepflegten Zustand. Viele alte Grabmale sind noch gut erhalten und wurden gepflegt, wenn überlebende Nachkommen bei der Friedhofsverwaltung eine Pflege beantragt und bezahlt haben. Mit erheblichem Geldaufwand wurden die langen Friedhofswege von der Stadt hergerichtet.

Im Saazer Heimatmuseum sind zahlreiche Fotos dieser Grabmale vorhanden.

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