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	<title>Stiftung Saazer Heimatmuseum &#187; Böhmen</title>
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	<description>Die Stiftung Saazer Heimatmuseum in Georgensgemünd</description>
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		<title>Ein Spätsommertag in Saaz</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 18:36:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Gerhard Illing</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Böhmen]]></category>
		<category><![CDATA[der Ackermann und der Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Henslin]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes von Saaz]]></category>
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		<description><![CDATA[Die „Stiftung Saazer Heimatmuseum“ hat zu einer Feierstunde am 30. Oktober 2011 in Žatec/Saaz im neuen parkähnlich angelegten Klostergarten eingeladen. Aufgestellt wurde eine Steinbüste des „Johannes von Saaz“ (Johannes Henslin) zur Erinnerung an die kulturellen Leistungen der Bürger von Saaz, &#8230; <a href="http://www.saazer-heimatmuseum.de/allgemein/317/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die „Stiftung Saazer Heimatmuseum“ hat zu einer Feierstunde am 30. Oktober 2011 in Žatec/Saaz im neuen parkähnlich angelegten Klostergarten eingeladen. Aufgestellt wurde eine Steinbüste des „Johannes von Saaz“ (Johannes Henslin) zur Erinnerung an die kulturellen Leistungen der Bürger von Saaz, unseren Vorfahren, die viele Jahrhunderte zurückreichen. Die Büste wurde nach vorhandenen Holzschnitten von Urs Koller, einem Bildhauer aus Rohrschach am Bodensee, im Auftrag des Saazer Kulturkreises und der Fördergemeinschaft Stiftung Saazer Heimatmuseum hergestellt.</p>
<div id="attachment_322" class="wp-caption aligncenter" style="width: 1010px"><a href="http://www.saazer-heimatmuseum.de/wp-content/uploads/2011/11/09_klostergarten.jpg"><img src="http://www.saazer-heimatmuseum.de/wp-content/uploads/2011/11/09_klostergarten.jpg" alt="Büste von Johannes von Saaz in Saaz/Zatec" title="Büste von Johannes von Saaz in Saaz/Zatec" width="1000" height="750" class="size-full wp-image-322" /></a><p class="wp-caption-text">Büste von Johannes von Saaz in Saaz/Zatec</p></div>
<p>Zu einem gemeinsamen Mittagessen im Hotel „Cerny Orel“ (Schwarzer Adler) am Schießhausplatz in Saaz, trafen sich 46 ehemalige Saazer und Heimatfreunde, die aus allen Teilen Deutschlands angereist waren. Der Vizebürgermeister der Stadt Žatec, Herr Ing. Jan Novotný und seine Sekretärin begrüßten die deutschen Gäste sehr freundlich. Nach dem harmonischen Zusammensein erfolgte um 14 Uhr die Einweihungsfestlichkeit im Klostergarten. Anwesend war Frau Bürgermeisterin Ždenka Hamousová und Herr Novotný, Abgeordnete der Stadt Žatec, zahlreiche Ehrengäste und die angereisten ehemaligen Saazer Bürger mit ihren Freunden und Bekannten.<span id="more-317"></span></p>
<p>Herr Dr. Gerhard Illing berichtete in seiner Ansprache auch darüber, dass die Absicht ein Denkmal von „Johannes von Saaz“ zu errichten, nach der Fertigstellung der vom Kulturkreis Saaz e.V. finanzierten Gedenkstätte im St.-Antonius-Friedhof in Saaz, zu Allerheiligen im Jahre 2008, in einem Gespräch mit den damaligen Bürgermeister Erich Knoblauch, Herrn Vizebürgermeister Aleš Kassal und Herrn Hans Ranek, dem Vermittler und Dolmetscher in allen Angelegenheiten des Saazer Kulturkreises und Heimatmuseums geplant wurde. Der Vorstand des Kulturkreises Saaz e.V. und einige langjährige Mitglieder haben sich intensiv darum bemüht, einen Bildhauer zu finden, der eine Büste von Johannes von Saaz. anfertigen könnte. Herr Urs Koller aus Rohrschach erklärte sich dazu bereit. Als Vorlagen diente eine Auswahl von Holzschnitten mit Abbildungen des berühmten und weltweit bekannt gewordenen Verfassers des Streitgespräches der „Ackermann und der Tod“, geschrieben in Saaz im Jahr 1400.</p>
<p>Herr Urs Koller fertigte eine gut gelungene Gussform an, in der drei Büsten aus Kunststein hergestellt wurden. Eine Büste wurde im Mai diesen Jahres Frau Bürgermeisterin Hamousová für die Stadt Žatec als Geschenk übergeben. Die zweite wird im Saazer Heimatmuseum in Georgensgmünd aufgestellt, die dritte Büste wird 2012 im neu gegründeten Saazer Heimatmuseum in der Stadt Schweinfurt aufgestellt. Die im Mai in Saaz übergebene Büste wurde auf einer von der Stadt Žatec in Auftrag gegebenen und gefertigten Edelstahlstele aufgesetzt. Die bemerkenswerten Inschriften auf der Stele in Tschechisch und Deutsch lauten:</p>
<p><em>Saaz Du Beglücktere unter den Schwesterstädten in Böhmen in Dir lebte und arbeite Johannes Henslin von 1383 bis 1411. Er war Rektor der 1256 gegründeten Lateinschule, Stadtschreiber, Verfasser des Streitgespräches der „Ackermann und der Tod“ des bedeutendsten Prosawerkes im Jahr 1400. Er verschaffte der Stadt Saaz in Böhmen in dieser Zeit hohes Ansehen und Ruhm“.</p>
<p>Gestiftet vom Saazer Heimatmuseum 2011</em></p>
<p> Auf der Rückseite der Stele befindet sich ein mit lateinischen Worten hergestelltes Kreuz.</p>
<p><em>> NOTARIUS  VERITAS  SPIRITUS  SOPHIA  MORS < (Notar, Wahrheit, Geist, Weisheit, Tod)</em></p>
<p>Herr Dr. Illing wies in seiner Ansprache darauf hin, dass 1419 Saaz von den Hussiten besetzt und dabei sehr viele Unterlagen vernichtet wurden und deswegen widersprüchliche Angaben über die Biografie des Johannes von Saaz vorliegen. Beispielsweise ist die Angabe, Johannes Henslin wäre erst 1411 nach Prag gegangen, zweifelhaft. Nach anderen Hinweisen verließ er bereits 1404 Saaz. In Prag sind bekanntlich 1409 erhebliche Unruhen ausgebrochen. Studenten und Professoren verließen 1409 Prag und gingen nach Leipzig. Vermutlich hat Henslin zeitweise bis 1411 in Saaz gewohnt, denn er besaß ein Turmhaus in der Stadtmauer. Mit der Aufstellung der Büste des Johannes von Saaz soll an die Zeit vor 700 Jahren hingewiesen werden und damit eine Verbindung zu seinem humanistischem Schaffen in seiner Stadt hergestellt werden. Er war ein geachteter Mitbürger und hat dazu beigetragen, dass Tschechen und Deutsche in einem vereinigten Europa in Frieden zusammenleben können.</p>
<p>Herr Gerold Schmiedbach Vorsitzender der Ackermann-Gemeinde in Frankfurt/Main, hat in seiner Anschlussrede weitere Erklärungen abgegeben warum dieses Ereignis für eine Normalisierung der Verhältnisse so wichtig ist.</p>
<p>Seine Rede am Denkmal:<br />
<em>Wenn wir heute das Denkmal für Johannes von Saaz hier in Saaz einweihen, so zeigt auch dieses Ereignis, wie sich die Verhältnisse zwischen Tschechen und Deutschen normalisiert haben. Es gilt unverändert, nicht das Trennende herauszustellen, sondern das Gemeinsame, das, was uns verbindet.</p>
<p>Die Büste, die nun hier mitten im Klostergarten steht, ist auch für die Ackermann-Gemeinde eine große Freude; hat der Geehrte ihr doch den Namen gegeben. Warum ist der Ackermann von Saaz für Deutsche und Tschechen so wichtig? Der Ackermann, der mit dem Tod streitet, weiß, dass alles, was er auf dieser Erde schätzt und als ein hohes Gut empfindet, ständig gefährdet ist durch den Tod und Teufel. Es ist für den Menschen immer leidvoll, seine Grenzen zu erfahren.</p>
<p>Erst als der Ackermann bereit war, eine göttliche Ordnung im Weltgeschehen anzuerkennen, gab ihm der Tod den Rat, der ihm helfen soll, sein persönliches schweres Schicksal, den Verlust seiner jungen Frau, zu überwinden und die Menschheit gegen die Geißel des Todes innerlich zu festigen. Er riet ihm:</p>
<p>- Kehr dich  vom Bösen und tue das Gute!<br />
- Suche den Frieden und übe ihn stets!<br />
- Über alle irdischen Dinge habe lieb ein reines und lauteres Gewissen!</p>
<p>Diese Sendung ist auch an die heutigen Generationen gerichtet, sie ist zeitlos und richtet sich eben auch an Deutsche wie an Tschechen. Der Ackermann-Gemeinde, die nach dem zweiten Weltkrieg von aus der Tschechoslowakei ausgewiesenen Deutschen gegründet wurde, ist dieser christliche Humanismus eine Aufforderung für ihre Einstellung und Tätigkeit. Es gibt diese Gemeinschaft seit gut 60 Jahren. Aus dem gleichen Gebiet entstand vor über zehn Jahren die tschechische Ackermann-Gemeinde, die Združeni Acker-Gemeinde mit Sitz in Prag. Wir sind Schwesterorganisationen, die eng verbunden sind. So trägt Johannes von Saaz auf mehrfacher Weise dazu bei, dass sich Tschechen und Deutsche heute auf europäischer Ebene wieder finden und für eine gute gemeinsame europäische Zukunft arbeiten. Seine anspruchsvolle Dichtung ermahnt uns, uns zu bewähren!</em></p>
<p>Mit dem Streit des Ackermanns mit dem Tod soll an die göttliche Ordnung erinnert werden. Schwere Verluste, großes Leid, die Johannes durch den frühen Tod seiner jungen Frau Margaretha erfuhr, sind durch die Abkehr vom Bösen und die Suche nach dem Guten zu überwinden. Diese Ratschläge werden auch uns für die Suche nach einem dauerhaften Frieden gegeben und uns die Einsicht vermitteln aus der Vergangenheit zu lernen. Die Aufstellung der Büste ist ein wichtiger Schritt in eine friedliche europäische Zukunft. Der 30. Oktober 2011 wird uns daran erinnern und der Tag wird unvergessen bleiben.</p>
<p>Wer Opfer vergisst, tötet sie noch einmal</p>
<p>Nach dem feierlichen Ereignis im Klostergarten, über 70 interessierte Personen nahmen an der Einweihung teil, darunter auch viele Tschechen, wurde die in 2008 vom Kulturkreis Saaz e.V. in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Žatec errichtete Gedenkstätte im sehr gepflegten St.-Antonius-Friedhof besucht. Die Gedenkstätte war mit herbstlichem Laub bedeckt und vermittelte den vielen Besuchern die Stimmung für ein stilles Gedenken. Für Allerheiligen und Allerseelen wurden Blumen und Kränze niedergelegt und Kerzen angezündet.</p>
<p>Auch die Nachkriegsopfer in 1945/46, es waren hauptsächlich deutsche Bürger und Kinder der Stadt Saaz, waren die Folgen einer verfehlten Politik. Es darf kein Tabu geben die Verantwortlichen dafür zu nennen. Der 28. Oktober ist der Gründungstag der ersten tschechoslowakischen Republik, einem Vielvölkerstaat mit 14 Millionen Einwohnern, darunter etwa 7 Millionen Tschechen, 3,5 Millionen Deutschen und 3,5 Millionen Slowaken, Ungarn, Polen und Ukrainer.</p>
<p>Die Herren Masaryk und Benesch hatten während des ersten Weltkrieges in den USA den damaligen Präsidenten Wilson besucht und ihn gebeten, nach dem Kriegende und der Zerschlagung des Vielvölkerstaates Österreich einen eigene Staat zu bekommen. Wilson hatte zugestimmt unter der Bedingung, der Gleichberechtigung aller Mitbürger nach dem Vorbild der Schweiz. Leider haben die beiden Herrn dieses Versprechen gebrochen und einen tschechischen Nationalstaat gegründet mit tschechisch als einziger Landessprache.</p>
<p>Mit der gesetzlichen Anordnung, dass tschechisch die alleinige Staatssprache ist, verloren alle Staatsangestellten bei der Bahn, Post, die Lehrer im Schuldienst und alle sonstigen Beamten oder Angestellte, die über keine ausreichenden Kenntnisse der tschechischen Sprache verfügten, ihre Anstellungen. Es entstand ein Millionheer von Arbeitslosen, die zwangsläufig gegen diesen neuen Staat waren. Daraus sind auch die Voraussetzungen für die schrecklichen Ereignisse in den darauf folgenden Jahrzehnten entstanden.</p>
<p>Dem Kulturkreis Saaz e.V. ist es nach jahrelangen Bemühungen gelungen, die ehrenvolle Gedenkstätte im St.-Antonius-Friedhof zu errichten, um damit an die Ursachen und an die vielen unschuldigen Opfer der Verfolgung und Vertreibung in den Jahren ab 1920 bis 1946 zu gedenken. Das gilt auch für alle tschechischen und jüdischen Mitbürger. Wir können nur hoffen, dass die Menschen aus diesem unsäglichen Leid, das unschuldigen und wehrlosen Menschen zugefügt wurde, lernen und wach bleiben, dass nie mehr ein so schreckliches Feindbild in den Herzen wachsen kann. Die Menschenrechte und die gottgegebene Würde, die jedem Menschen innewohne, seien im wahrsten Sinn des Wortes mit Füßen getreten worden.  Es ist nun die Aufgabe der immer weniger werdenden Zeitzeugen auf tschechischer und deutscher Seite Nachkommen zu finden und zu beauftragen, diesen Weg in eine gemeinsame Zukunft in Freiheit und Frieden zu finden und zu sichern.</p>
<p>Herr Hans Ranek, Historiker, geboren am 11.01.1929 in Saaz, hat sich für die Durchsetzung der kulturellen Interessen des Kulturkreises Saaz e.V. in Saaz über Jahrzehnte lang mit seinen guten Sprachkenntnissen, seinen Verbindungen und engen Kontakten zur Stadtverwaltung Žatec und anderen Institutionen uneigennützig eingesetzt und diese wertvollen Verbindungen ständig gepflegt und aufrecht erhalten. Dafür gebührt ihm unser uneingeschränkter Dank. So ermöglichte er auch die Errichtung der Gedenkstätte im Friedhof und die Aufstellung der Büste des Johannes von Saaz im Klostergarten. Leider konnte er aus gesundheitlichen Gründen, er befindet sich derzeit im Saazer Krankenhaus, nicht an dem Zusammentreffen teilnehmen. Seine geliebte Frau Antonie ist am 7. November 2011 verstorben. Wir wünschen unserem lieben und treuen Heimatfreund Hans Ranek eine möglichst baldige Genesung.</p>
<p>Dr. Gerhard Illing und Horst Helmer im Namen der Stiftungsbeiräte und der Saazer Freunde. Herzlicher Dank gebührt den treuen Helfern und Gönnern der Stiftung Saazer Heimatmuseum.</p>
<p>November 2011</p>
<p>++++++++++++++++++++++++++++</p>
<p><em>Zu der Einweihung der Büste haben uns viele Fotos erreicht. Diese werden derzeit gesammelt und in kürze für Interessierte zur Verfügung gestellt. Wenn Sie auch Fotos von der Veranstaltung gemacht haben, oder gar einen Bericht darüber schreiben wollen, dürfen Sie sich gerne an uns wenden.</p>
<p>mail@saazer-heimatmuseum.de</em><strong></p>
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		<title>Totenehrung zu Allerheiligen am 1. November 2010</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 22:49:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Gerhard Illing</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.saazer-heimatmuseum.de/wp-content/uploads/2010/11/IMG_24471.jpg"><img src="http://www.saazer-heimatmuseum.de/wp-content/uploads/2010/11/IMG_24471-300x225.jpg" alt="" title="IMG_2447" width="300" height="225" class="alignnone size-medium wp-image-253" /></a></p>
<p>Auf Einladung der Stiftung „Saazer Heimatmuseum“ wurde am 01. November 2010 zu Allerheiligen zum dritten Mal eine feierliche Totenehrung auf dem St. Antonius Friedhof in Žatec/Saaz abgehalten.</p>
<p>Die Feierlichkeiten begannen um 14:30 Uhr an der eindrucksvoll geschmückten Gedenkstätte. Die angereisten Besucher, darunter die bekannte Buchautorin Erika Storey, geb. Schroll* mit Familie aus London, deutsche und tschechische Freunde und Bekannte aus Saaz, Vertreter der Stadt- und Friedhofsverwaltung, Dolmetscher, Fernsehreporter und Kameramann versammelten sich vor der in 2008 errichteten Grabstätte in der südöstlichen Ecke des neuen Friedhofs, um an die verlorenen Familienmitglieder und Mitbürger in stiller Trauer zu gedenken. Ganz im Sinne der Gründer der Gedenkstätte ist dieser Platz in der südöstlichen Ecke des Friedhofs zu einem Ort der Erinnerung geworden.<span id="more-247"></span></p>
<p>Erneut berichtete das tschechische Fernsehen „TV-OK plus Žatec“ mit einer halbstündigen Reportage von der Feier dreimal täglich vom 08. bis 14. November 2010. In einer Rede vor dem großen schwarzen Holzkreuz betonte der Organisator der Gäste, Herr Dr. Gerhard Illing, dass die Gedenkstätte alle Besucher an die schrecklichen Ereignisse des Jahres 1945 erinnern und damit verhindern soll, dass derartiges nicht noch einmal geschieht. Er sagte, es sind immer noch viele Wunden aus der Vergangenheit in unseren Herzen. Aber es war uns ein wichtiges Anliegen, hier an diesem Ort unseren Verlust und unseren Schmerz zum Ausdruck zu bringen, verbunden mit dem Versuch, in gemeinsamen Gesprächen ein friedliches Miteinander und eine Bewältigung der Vergangenheit zu erreichen.</p>
<p>Über die Schicksale der Menschen in Postelberg wurde in den Medien viel berichtet, aber was in der Stadt Saaz selbst zur Nachkriegszeit geschehen ist, wissen nur wenige Augenzeugen. Herr Horst Helmer wurde als Zeitzeuge befragt, ob er dazu etwas sagen könnte. Er erklärte, in diesem Massengrab liegen seine Tante und sein Onkel. Nach dem Einmarsch der Sowjets im Mai 1945 wurde seine Tante tagelang vergewaltigt und sein Onkel misshandelt, beide haben sich die Pulsadern aufgeschnitten und wurden danach in dieses Massengrab geworfen.</p>
<p>Wie bereits im Vorjahr nahm der Saazer Bürgermeister der Stadt Žatec, Herr Erich Knoblauch, an der Veranstaltung teil. Mit wenigen Worten äußerte er seine Verpflichtung zum Danksagen an die Versammelten, die auch trotz ihres hohen Alters nach Žatec angereist sind. Er betonte, die Stadt habe das Glück gehabt, seit 65 Jahren in Frieden leben zu können. Gerade darum dürfe man die grausamen Ereignisse vor 65 Jahren nicht vergessen.</p>
<p>Nach den Angaben der Zeitzeugen befanden sich die Massengräber aus dem Jahre 1945 in diesem Teil des Friedhofes, wo die Gedenkstätte errichtet wurde. Auf die Frage des Reporters, Herrn Michal Karabec, was die Teilnehmer über die tschechisch deutschen Beziehungen denken, antwortete Herr Dr. Illing: „Wir müssen alle aus den Geschehnissen der Vergangenheit lernen und durch eine Förderung der positiven Entwicklungen der Gegenwart zu einer Versöhnung kommen. Nur durch ein friedliches Zusammenleben kann Not, Armut und Elend vermieden werden.“</p>
<p>Zum Ende des Besuches verbrachten die Teilnehmer einige Minuten in stiller Andacht zu Ehren der Verstorbenen. </p>
<p>Im Auftrag der Stiftung Saazer Heimatmuseum<br />
Dr. Gerhard Illing</p>
<p>Groß-Umstadt, 15. November 2010</p>
<p>Nachbemerkungen:<br />
*) Erika Storey, geborene Schroll, geboren 1936 in Saaz, heimatvertrieben in 1946, schrieb das Buch: „A Childhood in Bohemia and the Flight to the West“ (Eine Kindheit in Böhmen und die Flucht in den Westen) in englischer Sprache mit zahlreichen Familienfotos aus Saaz, veröffentlicht in Great Bitain &#038; USA in 2009 by Arna Books.</p>
<p>Der Friedhof in unserer alten Heimatstadt ist in einem sehr gepflegten Zustand. Viele alte Grabmale sind noch gut erhalten und wurden gepflegt, wenn überlebende Nachkommen bei der Friedhofsverwaltung eine Pflege beantragt und bezahlt haben. Mit erheblichem Geldaufwand wurden die langen Friedhofswege von der Stadt hergerichtet.</p>
<p>Im Saazer Heimatmuseum sind zahlreiche Fotos dieser Grabmale vorhanden.</p>
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		<title>Die Toten verpflichten die Lebenden</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 14:49:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Horst Helmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Vertreibung]]></category>

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		<description><![CDATA[von Horst Peter Helmer, Jahrgang 1930 Dieser Erlebnisbericht ist eine schriftliche Fassung meiner Zeitzeugenaussage im Rahmen der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Hof vom Leid und Sterben deutscher Bürger in der Nachkriegszeit 1945 / 1946 in Saaz, Postelberg und Maltheuern bei &#8230; <a href="http://www.saazer-heimatmuseum.de/allgemein/die-toten-verpflichten-die-lebenden/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von <a href="http://www.horst-helmer-saaz.de">Horst Peter Helmer</a>, Jahrgang 1930</em></p>
<p>Dieser Erlebnisbericht ist eine schriftliche Fassung meiner Zeitzeugenaussage im Rahmen der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Hof vom Leid und Sterben deutscher Bürger in der Nachkriegszeit 1945 / 1946 in <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Saaz">Saaz</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Postoloprty">Postelberg</a> und Maltheuern bei Brüx im ehemaligen Sudetenland.</p>
<p>Die Staatsanwaltschaft Hof untersucht Verbrechen bei der Vertreibung der Deutschen aus ihrer angestammten Heimat im Sudetenland in Nord-Böhmen. Auf Verlangen der Kriminalinspektion Schwabach, Mfr. habe ich nachfolgende Aussagen über die Ereignisse in Saaz und in Postelberg in der Zeit vom 3.bis 8. Juni 1945, aus meinen Erinnerungen heraus, in Form eines Gedächtnis-Protokolls und als Ergänzung zu meinem Erlebnisbericht vom Januar 2001, unter dem Titel „Wider das Vergessen“ niedergeschrieben.<br />
________________________________________________</p>
<p>Mit der Kundmachung der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bene%C5%A1-Dekrete">Benesch-Dekrete</a> am 19. Mai 1945 wurden in der Tschechoslowakischen Republik alle Deutschen zu staatlich unzuverlässigen Personen erklärt und das gesamte deutsche Vermögen unter “nationale Verwaltung” gestellt. Am 2.Juni 1945 wurde Saaz von den sowjetischen Kampfverbänden an die tschechische Verwaltung übergeben. Truppen des tschechischen Generals Svoboda und tschechische Horden besetzten daraufhin die Stadt. Am Sonntag, dem 3. Juni 1945, erfolgte auf Befehl der tschechischen Stadtverwaltung die verhängnisvolle Austreibung der Saazer Männer. Diese erfolgte auf brutalste Weise.<span id="more-129"></span></p>
<p>In den frühen Morgenstunden hörten wir über die auf Autos montierten Lautsprecher, dass sich alle deutschen Männer sofort zum Ringplatz/Marktplatz begeben müssen. Dann drangen tschechische Soldaten, Gendarmen und Milizionäre in alle Häuser ein und trieben die bis 65 Jahre alten deutschen Männer und Jugendliche ab 13 Jahre mit Schlägen und Fußtritten aus ihren Wohnungen und weiter bis zum großen Ringplatz, der als Sammelplatz diente. Die Straßen hallten wider von Schreien, Flüchen und Schüssen. Kranke und Gebrechliche wurden von den tschechischen Unholden, die teils beritten waren, gnadenlos geschlagen, unmenschlich behandelt oder erschossen.</p>
<p><strong>Tschechischer Willkür ausgesetzt</strong></p>
<p>Auf dem Ringplatz übten der später als der “Henker von Postelberg” bekannt gewordene tschechische Polizei-Kapitän Marek (vorher war er Protektorats-Polizist), seine jugendlichen Mordgehilfen, die Brüder Petroluk, Svoboda-Soldaten und viele bewaffnete Zivil-Tschechen ihren menschenverachtenden Terror auf uns über 5000 zusammengetriebenen Deutschen aus. Wer während des stundenlangen Stehens in der immer stärker werdenden Tageshitze auffiel, oder infolge Ungeschicklichkeit oder körperliche Schwäche die befohlene Aufstellungsordnung nicht einhielt, wurde geschlagen und misshandelt. Auch die zu spät Gekommenen wurden so bestraft.</p>
<p>Verboten war auch das Verlassen der Reihe zur Verrichtung der Notdurft. Immer wieder wurden welche gepeitscht, geprügelt und umgebracht. Einen Toten sah ich neben dem Rathaus. Einen anderen Toten beim Kriegerdenkmal und einen weiteren vor den Lauben bei der Eisdiele Anastas. Kapitän Marek erschoss kaltblütig einen Nachzügler vor unseren Augen. Zu unserer aller Warnung, wie er grinsend sagte. Zudem erklärte er, dass alle Deutschen ohne Ausnahme rechtlose Verbrecher seien und als solche auch so behandelt werden müssen. Gegen 14 Uhr erfolgte der Abmarsch in Achterreihen und in drei Kolonnen. Flankiert von wild fluchenden tschechischen Begleitposten und berittenen Svoboda-Soldaten marschierten wir durch das Priestertor, über den Pflasterberg und über die Eger-Brücke dem Ungewissen entgegen.</p>
<p><strong>Schläge mit Knüppeln, Peitschen und Gewehrkolben</strong></p>
<p>Auf der Landstraße nach Postelberg schlugen die Begleitposten und ihre Gehilfen mit Knüppeln, Peitschen und Gewehrkolben immer wieder auf uns ein, um die Marschkolonnen ständig und schneller voran zu treiben. Vom langen Stehen in der glühenden Sonne, vom Marschieren und vom dabei aufgewirbelten Straßenstaub waren unsere Kehlen völlig ausgetrocknet. Wir hatten alle großen Durst. Trotzdem trieb man uns rücksichtslos und unbarmherzig weiter. Viele geschwächte und kranke Männer konnten nicht mehr weiterlaufen und blieben zurück. Sie wurden von den Tschechen auf bestialische Weise totgeschlagen, erschossen und in den Straßengraben geworfen.</p>
<p>Ich habe sieben Tote gezählt, hörte aber auch Schüsse und Schreie bei den anderen Kolonnen. Sicher wurden dort auch welche umgebracht. In unserer Reihe halfen wir uns gegenseitig so gut es eben ging und erreichten nach etwa 4 Stunden die Kleinstadt Postelberg. Diese schien ausgestorben. Vom grausigen Schicksal, das die deutschen Einwohner bereits erlitten hatten, wussten wir damals nichts. Uns trieb man in die alte Kavallerie-Kaserne. Im Kasernenhof mussten wir uns auf den schmutzigen, staubigen Erdboden hinsetzen. Fortan durften wir unseren Sitzplatz nicht mehr verlassen. Es gab nichts zu essen und nichts zu trinken. Mit kleinen Kieselsteinen im Mund versuchten wir etwas Speichel zu erzeugen. Es half nur wenig.</p>
<p>Frierend haben wir die Nacht verbracht, insbesondere betraf das uns Jungendliche, denn die meistens hatten nur leichte Sommerkleidung an. Die tschechischen Wachen um uns herum drohten ständig jeden zu erschießen, der versuchen würde seine Notdurft an einem anderen Ort im Kasernenhof zu verrichten. Plötzlich erschall wieder ein tschechisches Kommando. Professor Worzfeld, unser ehemaliger Mathematikprofessor im Saazer Gymnasium, übersetzte uns, die wir nahe um ihn herum waren, den Befehl: „Jeder muss auf seinem Platz sitzen bleiben.“</p>
<p><strong>Der Sadismus tobt sich aus</strong></p>
<p>Viele von uns Gefangenen, die das tschechische Kommando nicht verstanden hatten, erhoben sich. Sofort wurde gezielt auf sie geschossen. Sogar Handgranaten detonierten. Es gab viele Verwundete, Schwerverletzte und Tote. Auch in meiner unmittelbaren Nähe wurden zwei Männer verletzt und einer sogar tödlich getroffen. Welche von uns mussten die Toten und Schwerverwundeten zu den stinkenden ehemaligen Bombensplitter-Schutzgräben tragen und hineinwerfen. Hernach ermordeten unsere tschechischen Bewacher die noch Lebenden durch Schüsse. Lagerkommandant Marek nannte sie grinsend „Gnadenschüsse“. Später mussten wir diese Gräben als Latrine benutzen. Sie wurden zu den unwürdigsten Gräbern für viele Saazer Männer und Jungen.</p>
<p>Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die ungeheuerliche Nachricht, dass ein 17 jähriger deutscher Saazer – bis zum Kriegsende 1945 war er Hitlerjunge – ab dann war er urplötzlich Antifaschist und Antinationalsozialist &#8211; den jugendlichen tschechischen Wachposten Petroluk aufforderte den in seiner Nähe liegenden deutschen Schwerverwundeten, den Saazer Baumeister Josef Heinzel, zu erschießen, weil er dessen andauernden Hilferufe, das qualvolle Jammern und Stöhnen nicht länger mit anhören konnte und wollte. Das war „Anstiftung zum Mord“! Denn Baumeister Heinzel wurde unmittelbar danach vom jungen tschechischen Wachposten Petroluk erschossen. Leider blieb diese verwerfliche und unmenschliche Tat bis heute ungesühnt. Es wurde berichtet, dass dieser 17 jährige deutsche Anstifter &#8211; er lebt noch heute &#8211; bereits am zweiten oder dritten Tag aus der Lagerhaft entlassen und von seinem „Fürsprecher“ aus Saaz abgeholt wurde.</p>
<p><strong>Wer etwas verheimlicht, wird mit dem Tode bestraft</strong></p>
<p>Neue Kommandos und Befehle erschallten. Alle hatten ihr Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände abzugeben. Es hieß: Wer etwas verheimlicht, wird mit dem Tode bestraft. Keiner zweifelte an der Ernsthaftigkeit dieser Drohung. Die von uns abgelieferten Wertgegenstände füllten große Kisten. Anschließend wurden wir gründlich durchsucht. Auch die Schuhe mussten wir ausziehen. Sachen, die für die Tschechen wertlos waren, wie Dokumente, Briefe, Medikamente, wurden auf einen Haufen geworfen und angezündet. Während den Aktionen gingen die tschechischen Sadisten wüst fluchend, schlagend und rücksichtslos durch unsere Reihen. Erneut erlebten wir einen sehr heißen Tag und eine kalte Nacht wieder ohne Essen und Trinken. Am nächsten Morgen begann der Lagerkommandant Marek mit der Sichtung.</p>
<p>Die ehemaligen Angehörigen der SS, NSKK, SA, der Wehrmacht, Polizei, die politischen Leiter, NSDAP-Parteigenossen und die ehemaligen Angehörigen der Sudetendeutschen Partei sollten sich freiwillig melden. Es herrschende ein Durcheinander, denn die Missverständnisse waren groß. In welche Gruppe sollte sich ein ehemaliger Soldat oder SS-Mann, der auch Angehöriger der NSDAP war, einordnen? Es ist mir nicht mehr möglich alles so genau zu beschreiben, wie und was sich in diesen Tagen auf dem heißen und stinkenden Kasernenhof zugetragen und abgespielt hat</p>
<p>Hier wurde geschossen, dort geschlagen, da schleifte man Leichen, laut schreiende Verwundete und Kranke weg. Welche von uns wurden aussortiert und fortgetrieben. Andere wieder hinter Stacheldraht und in leere Pferdeställe eingesperrt. Der ganze Hof hallte wider von tschechischen Kommandos, Geschrei und wüstesten Schimpfworten. Einige von uns gelang es aus einem alten Brunnenloch etwas Wasser zu schöpfen. Leider war unsere Gruppe zu weit weg davon. Somit gab es für Tausende von uns weder Essen noch Trinken. Gegen Abend durften einige Geistliche, Ärzte, Halbjuden, ehemalige KZ-Häftlinge und die angeblichen so genannten Antifaschisten die Kaserne verlassen.</p>
<p><strong>Grausame Exekution von fünf Jugendlichen</strong></p>
<p>In dieser so hoffnungslosen Zeit, völlig demoralisiert und dem Wissen um den immer schwächer werdenden Selbsterhaltungstrieb, hatte wohl jeder von uns mit dem Leben abgeschlossen. Die Menschenopfer dieser Tage konnten später nur ungenau bestimmt werden. Die Nacht war wieder kalt und erfüllt von Schüssen und von den Schreien der Schwerverletzten und Gepeitschten. Am nächsten Morgen ging es mit der Aus- und Einsortierung weiter. Einige Kolonnen mit Zivilgefangenen verließen die Kaserne. Sie kamen nicht wieder.</p>
<p>Fünf Jugendlichen gelang ein Ausreißversuch. Leider wurden sie kurz darauf beim Essen von Äpfeln in einem Garten entdeckt, eingefangen und dem Kommandanten Marek vorgeführt. Zur Strafe mussten sie in der Nähe der alten Reithalle die Hosen ausziehen. Die Züchtigung begann. Widerlich lachend schlugen die tschechischen Sadisten erbarmungslos mit Stöcken und Peitschen auf die weinenden, um Hilfe rufenden und um Gnade bettelnden 13 bis 15 jährigen ein. Das Blut rann ihnen dabei an den Beinen herunter.</p>
<p>Für uns war es schrecklich dieses unmenschliche Tun mit ansehen zu müssen. Zitternd vor Hilflosigkeit und Erregung verfolgten wir die entsetzliche Szene. Plötzlich verkündete ein Bewacher: Wer einen Fluchtversuch unternimmt, wird erschossen, so wie jetzt diese 5 Knaben erschossen werden! Sogleich wurden die Jungs gegen die Wand gestellt. Voller Angst bettelten sie um Erbarmen und riefen in ihrer Not nach ihren Müttern. Wir alle glaubten, dass die tschechischen Schergen zum Schluss doch nicht schießen würden. Es war ein Trugschluss.</p>
<p>Zwei tschechische Wächter legten an und feuerten tatsächlich auf den ersten Knaben. Dieser sackte sofort zusammen und sein Blut rötete die Wand. Eine schreckliche Szene. Daraufhin flehten die 4 anderen Buben: “Herr Kapitän“, wir wollten nicht fliehen und wir werden auch keine Äpfel mehr stehlen. Wir taten es doch nur aus Hunger. Um Gnade bittend ging einer von ihnen auf die mörderischen Henkersknechte zu. Rücksichtslos wurde er von diesen zusammengeschossen. Gnadenlos setzten die tschechischen Mörder ihr Massaker fort.</p>
<p>Bei einem wurde die Halsschlagader getroffen. Vom verspritzen Blut geröteter Mörtel platzte von der Mauerwand ab. Der fünfte blieb nach der ersten Salve stehen und schaute mit aufgerissenen Augen stumm in die Mündung der erhobenen Gewehrläufe. Erst durch weitere Schüsse wurde er zu Boden geschleudert. Mehrere Salven aus einer Maschinenpistole töteten die Sterbenden vollends.<br />
<strong><br />
Hilf- und wehrlos</strong></p>
<p>Zwangsläufig mussten wir, die in der Nähe dieses Geschehens auf der Erde saßen, gebannt und entsetzt dem bestialischen Morden zusehen. Ein Widerstand oder Eingreifen unsererseits, um dieses beispiellose Verbrechen zu verhindern, hätte zu einem wahren Gemetzel unter uns, den über 5000 Wehrlosen geführt. Denn bei den Kasernentoren waren jeweils zwei schwere Maschinengewehre aufgestellt. Zudem hielten viele mörderische Wachposten ihre Waffen erwartungsvoll und schussbereit auf uns gerichtet. Sie hofften sehr auf ein Eingreifen von uns. Denn nur allzu gern hätten sie uns Deutsche auch gnadenlos zusammengeschossen.</p>
<p>Die seelischen Qualen sollten an diesem Tag kein Ende nehmen. In den Pferdeställen, an der hinteren Schmalseite des Kasernenbaus, wurden Gefangene stehend eingepfercht. Gerhard Skalla war auch einer von ihnen. Durch die darin herrschende Hitze und den Sauerstoffmangel starben viele. Außerdem drangen Tschechen mit Stöcken und Peitschen bewaffnet in die Ställe ein. Danach hörten wir anhaltendes Stöhnen und Schmerzgeschrei. Das alles war schrecklich deprimierend und hoffnungslos.</p>
<p>Am vierten Tag wurde zum ersten Mal etwas Nahrung ausgegeben. Zehn Gefangene erhielten ein kleines Brot und ein wenig Wasser. Ohne Messer und Trinkgefäße verlief die Aufteilung unter uns Gefangenen nicht ohne Missgunst und Streit. Jeder glaubte der Benachteiligte zu sein. Unser aufgeregtes Verhalten steigerte wiederum die Tollheit der tschechischen Bewacher. Hier wurden welche mit Füßen getreten, dort geohrfeigt, hier hetzte man einen Wachhund auf Gefangene, dort wurden welche ausgepeitscht.</p>
<p><strong>Gezwungen zu Falschaussagen</strong></p>
<p>Nach dem Haupttor, auf der linken Seite des Kasernengebäudes, befand sich ein mit Stacheldraht umzäuntes Areal. Darin waren die von Mörder-Marek, so nannten wir ihn inzwischen, aussortierten und als „Nazi-Verbrecher“ eingestuften Gefangenen eingesperrt. Zur Strafe und auf Befehl mussten sich welche in Zweier-Gruppen gegenüberstellen und gegenseitig mit Knüppeln rücksichtslos prügeln, andere wiederum ohrfeigten oder peitschten. Posten wachten darüber, dass die Schläge auch hart genug ausgeführt wurden. Andere Gefangene hat Marek selbst gefoltert und zu Falschaussagen und Selbstbeschuldigungen gezwungen. Ich sah wie vier verletzte Deutsche mit Schlägen und Schüssen getötet und hernach ebenfalls in die Latrinen-Gräben geworfen wurden.</p>
<p>Zu Besuch kamen auch tschechische Frauen in den Kasernenhof. Lachend und feixend schauten sie sich die anhaltenden Quälereien und Morde an, die von ihren Landsleuten begangen wurden. Am Spätnachmittag erfolgte der erste Abtransport von vielen Saazer Männern. Sie kamen auch am nächsten Tag nicht zurück. Wieder wurden Gefangenen in einen Stall gepfercht. Es sollen über 200 gewesen sein. Nicht alle haben diese Tortur überlebt. Sie starben durch Hitzschlag und Sauerstoffmangel. Die verzweifelten Hilferufe blieben ungehört.</p>
<p>Früh um 7 Uhr öffnete man die Tür. Die Herausströmenden warfen sich schwer atmend auf die Erde, ihre Gesichter waren durch die erlittenen Qualen verzerrt. Einer wankte Hilfe suchend zu einem Posten hin und wurde von diesem gnadenlos zusammengeschossen. Manche wollten etwas sagen, brachten jedoch nur ein unverständliches Krächzen hervor. Die meisten Gequälten waren völlig verwirrt und teilnahmslos. Ein ehemaliger Hauptmann ging zum Lagerkommandanten Marek und bat ihn, entweder nach der Genfer-Konvektion behandelt zu werden oder wie ein deutscher Offizier sterben zu dürfen. Daraufhin musste er sich hinknien und erhielt vom Mörder Marek einen „wohlwollenden“ Genickschuss. Nicht nur dieser Tote, sondern auch andere Tote und Verletzte mussten von uns Gefangenen weggetragen und in die nach Fäkalien stinkenden Gräben im Kasernenhof geworfen werden.</p>
<p><strong>Massenmorde</strong></p>
<p>An diesem Tag begannen die Massenmorde. Immer wieder wurden größere Trupps zusammengestellt und zum hinteren Kasernentor hinaus geführt. Sie kamen nicht mehr zurück. Wir hörten Schüsse. Keiner von uns Zurückgebliebenen wusste damals, was mit diesen Menschen geschehen ist. Späteren Nachforschungen haben ergeben, dass die Saazer Männer, die im „Fasangarten“ und an anderen Stellen um Postelberg herum erschossen und in Massengräbern verscharrt wurden, weit mehr als 1200 waren.</p>
<p>Am fünften Tage wurden hunderte zu Zwangsarbeiten in die Arbeitslager und Bergwerke nach Joachimsthal und Klatno gebracht. Andere hatten Glück und kamen nach Saaz in die dortigen Arbeitslager. Um die 1500 wurden mit Lastkraftwagen nach Maltheurn bei Brüx transportiert und in die dortigen ethnischen Zwangsarbeitslager Tabor 27, 28 und 17/18 eingesperrt. Zusammen mit meinen Freunden Franz Wolfram, Heinz Happich, Ruthard Blumauer, Heinz Deimling, Werner Funk und anderen Jugendlichen kam auch ich in das berüchtigste aller Lager, in das Straflager für Naziverbrecher „Tabor 28“.<br />
Das geschah alles willkürlich ohne besonderen Grund.<br />
<strong><br />
Tief ins Gedächtnis eingeprägt</strong></p>
<p>Jeden Tag marschierten wir unter martialischer Bewachung in die „Stalin Werke“. Es waren die ehemaligen Hermann-Göring-Benzin und Öl-Hydrierwerke. Dort verrichteten wir unter strengster Aufsicht schwerste körperliche Aufräumungsarbeiten. So bargen wir auch die während des Krieges durch alliierte Bomben getöteten, halb verwesten und verbrannten Menschen aus den Trümmern. Es war alles ein unbeschreiblich schreckliches Geschehen. Über die in dieser Zeit von Tschechen an Deutschen begangenen Nachkriegsverbrechen und abscheulichen Geschehnisse, von denen ich viele mit ansehen und erleben musste, habe ich in meinem Erlebnisbericht unter dem Titel “Wider das Vergessen” ausführlich dargestellt.</p>
<p>Diesem wahrheitsgetreuen Bericht liegen die in meinem Gedächtnis tief eingeprägten und leider unauslöschbaren Erinnerungen an diese grausame Zeit zu Grunde. Die Eingangs von mir genannte Anzahl an ermordeten Saazer Deutschen habe ich selbst gesehen, diese entspricht jedoch keinesfalls der Anzahl derer, die tatsächlich von den damals ausgesprochen sadistischen Tschechen in dem angegebenen Zeitraum und in und an den genannten Orten bestialisch umgebracht worden sind.</p>
<p>Ein Handskizzen-Lageplan über die Hinrichtungsstätten und Massengräber in und um Postelberg liegt bei. 1945 wurden von den Tschechen im Fasangarten 763 Mordopfer exhumiert und an einen unbekannten Ort verbracht. Das wurde inzwischen von amtlicher Seite in Prag bestätigt.</p>
<p>Horst P. Helmer (Muhr am See, 28. März 2001)</p>
<p><strong>Zu dem Thema</strong><br />
<strong><a href="http://www.horst-helmer-saaz.de">Private Homepage von Horst Helmer</a>r</strong><br />
<strong><a href="http://www.saazer-heimatmuseum.de/?p=43">Wider das Vergessen &#8211; von Horst Helmer</a><br />
</strong><br />
<a href="http://www.saazer-heimatmuseum.de/?p=123"><strong>Die Massaker von Postelberg &#8211; Erinnerungen an 1945 &#8211; von Hilde Dalbert-Gundermann</strong></a><strong><br />
<a href="http://www.saazer-heimatmuseum.de/?p=51"><br />
<strong><a href="http://www.saazer-heimatmuseum.de/?p=126">Die grauenvollen Tage von Saaz und Postelberg</a><br />
</strong></a><br />
<a href="http://www.saazer-heimatmuseum.de/?p=126">Gegen das Vergessen &#8211; von Gerhard Illing</a></strong></p>
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